Up To Date mit dem Rundschreiben 2011

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Erste Hilfe zum Anfassen

Der BBSB hat zum zweiten Mal einen Ersthelferkurs für blinde und sehbehinderte Menschen durchgeführt.

Ein Erfahrungsbericht von Svenja Seibold

Ein Erste-Hilfe-Kurs für blinde Menschen, wozu das denn? Bis diese auf eine Notsituation aufmerksam geworden ist, sind schon andere Personen zur Stelle. Und wer möchte schon als Betroffener einen Notfallhelfer, der die Verletzung erst einmal finden muss, bevor er sie versorgen kann? Und außerdem macht Otto-Normal-Verbraucher den Erste-Hilfe-Kurs sowieso im Rahmen der Führerscheinprüfung – eine Situation, in der man blinde Menschen auch eher selten antrifft.

Vielleicht hast Du Dir beim Lesen des Titels ganz ähnliche Gedanken gemacht. Dabei gibt es tatsächlich eine ganze Reihe von denkbaren Situationen, in denen auch eine sehbehinderte oder blinde Person Ersthelfer sein kann und muss. Dies betrifft nicht nur die Teilnahme am Straßenverkehr (z.B. als Beifahrer im Auto, auf dem Tandem oder als Fußgänger), sondern auch im Umgang mit Kollegen, Nachbarn, in der Freizeit oder beim Sport und nicht zuletzt auch als Freizeitleiter oder Seminarveranstalter im BBSB.

So hatten zumindest die sechs jungen Männer und Frauen, die sich am 14. Mai 2011 in den Räumen des BBSB einfanden, keinerlei Zweifel über die Sinnhaftigkeit eines Erste-Hilfe-Kurses. Gewisse Unsicherheit über die praktischen Anwendungsmöglichkeiten gab es zwar durchaus. Diese wurden aber durch die kompetenten Schulungsleiter des Fachinstituts für Notfallmedizin und Erste Hilfe (FINEH) aus München im Lauf des Wochenendes rasch und nachhaltig zerstreut.

So hielten sich Herr Dr. Jacob Bernlochner, praktizierender Notarzt und langjähriger Ausbilder in Erster Hilfe, und seine Kollegin nach der Vermittlung der wichtigsten Grundlagen zum Umgang mit Notsituationen auch nicht weiter mit der Theorie auf. Wichtig war für uns alle herauszufinden, wie sich Erste-Hilfe mit Seheinschränkung am günstigsten bewerkstelligen lässt.
Und das war dann wirklich etwas zum Anfassen: Wie baue ich eigentlich ein Warndreieck zusammen, wenn ich als einziger Passagier im Auto nach einem Unfall unverletzt bin? Und wie kann ich einen Verletzten rasch aus dem Unfallauto bergen? Wichtigste Botschaft von Jacob Bernlochner war dabei: „Nur durch Nichtstun kann man etwas falsch machen“. So können z. B. Patienten, die noch ansprechbar sind, ihren gehandicapten Ersthelfern rasch alle nötigen Informationen geben und möglicherweise bei ihrer Versorgung mithelfen. Ernst wird es nur bei bewusstlosen Personen, da hierbei möglicherweise eine lebensbedrohliche Störung der wichtigsten Systeme des Menschen, Herzkreislaufsystem, Atmung oder Gehirn, vorliegt. Und in diesen Fällen kommt es auf Schnelligkeit an. Die erste Person am Ort des Geschehens, egal ob blind oder nicht, muss jetzt tätig werden.
Deshalb lag der Schwerpunkt unseres Erste-Hilfe-Kurses dann auch auf der Vermittlung von einfachen und unbedingt notwendigen Maßnahmen, die Leben retten können: In Kleingruppen versuchten wir uns in Stabiler Seitenlage, Herzdruckmassage und Verwendung eines Defibrilators. Dabei wurden wir von unseren beiden Anleitern einfühlsam und geschickt unterstützt, die trotz Erfahrungsmangel wenig Schwierigkeiten hatten, sich in die Erlebniswelt von Personen mit Seheinschränkung hineinzuversetzen.
Dabei griffen sie dann auch auf unkonventionelle Demonstrationsmöglichkeiten zurück. Eine arterielle Blutung wurde beispielsweise durch stoßweise mit einer Spritze abgegebenes warmes Wasser simuliert. Und natürlich mit Handschuhen – für das richtige Gefühl!
In Rollenspielen wurden dann verschiedene Notfallsituationen geübt, damit sich die wichtigen Handlungsschritte in der Notsituation entsprechend einprägen ließen. Dabei kamen am zweiten Tag dann auch andere, nützliche Handgriffe nicht zu kurz. Das Abnehmen eines Motorrad- oder Fahrradhelms wurde ebenso geübt wie das fachgerechte Anlegen eines Druckverbands. Und natürlich haben wir auch den Inhalt eines Erste-Hilfe-Kastens genau unter die Finger genommen und die Anwendung der verschiedenen Materialien besprochen.

Neben all dieser Wissensvermittlung kamen weder anschauliche Erfahrungsberichte aus der notärztlichen Praxis noch die individuellen Wünsche der Teilnehmer zu kurz. Und das bei bester Stimmung in der Gruppe und viel Spaß beim Schauspielern in den verschiedenen Rollen.
Dank der ausgezeichneten Vororganisation auf Seiten des BBSB war auch rund um den Kurs alles bestens vorbereitet.

Nach diesem abwechslungsreichen, informativen und praxisnahen Kurs kann ich als Teilnehmerin nur hoffen, dass der BBSB in absehbarer zeit wieder ein solches Seminar anbietet und möchte allen Neulingen in Sachen Erster Hilfe dieses Angebot wärmstens ans Herz legen.