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Ein Bericht von Christian Dellert
Wer gerne Reiten geht oder das schon immer mal ausprobieren wollte, war auf unserem Reiterwochenende genau richtig. Leider war die Resonanz auf unsere Ausschreibung zu dieser Aktivität ziemlich verhalten. Doch vier Mitglieder des Arbeitskreises Jugend und Ausbildung, der die Freizeiten organisiert, hatten sich „todesmutig“ ins Abenteuer gestürzt. Ende Mai sind Daniela, Judith, Johannes und ich kurzerhand privat mit Judiths Schwester Magdalena in die tiefste Oberpfalz getigert, genauer gesagt in die Nähe von Weiden nach Wurz. Dort befindet sich der Lipperthof der Familie Reber, die von den 150 Islandpferden und der Reitschule ganz schön „auf Trab“ gehalten wird.
Los ging es am Samstag morgen. Unsere Reitlehrerin Käthe erkundigte sich nach den Seheinschränkungen und Vorerfahrungen. Anders als die Damen konnten Johannes und ich noch überhaupt keine Kenntnisse vorweisen.
Jeder Reiter putzt sein Pferd. Anschließend führten wir auch schon gemeinsam mit Käthe die Schulpferde
zum Sattelplatz. Nun sollten wir die Tiere unter Anleitung putzen. Einmal gezeigt, ist das nicht sonderlich
schwer. Weitaus komplexer ist da schon das Satteln und Anlegen des Zaumzeugs.
Ich fragte mich zum Beispiel, wie ich das Geschirr nur über die Ohren des Pferdes bringen soll. Schließlich
wusste ich noch nicht, dass man die Ohren einfach so umbiegen und andrücken darf.
Jetzt waren unsere Schulpferde eigentlich fertig zum Aufsteigen. Doch bevor wir uns in den Sattel schwingen durften, besuchten wir noch das wohl brävste Pferd der Welt, die Lotte. Johannes sitzt auf Lotte auf. Die besteht nämlich aus Holz und war daher genau das richtige, um das Aufsteigen ohne Stress und Gefahr zu üben.
Nach dem Mittagessen sollten wir die Pferde zur Wiederholung erneut putzen und satteln — diesmal so selbstständig wie möglich. Gar nicht so einfach, bei den vielen Riemen, Verschlüssen und Haken nichts durcheinanderzubringen. Nur gut, dass die Schulpferde wohl schon so einiges gewohnt waren …
Anschließend gingen wir in eine Halle, und es konnte losgehen: Nacheinander schwangen wir uns auf die Pferde. Die Zügel fest in der Hand, ritten wir hintereinander im Kreis, wobei unsere Haltung von Käthe kritisch beäugt und korrigiert wurde.
Auch am Sonntag erwartete uns vormittags volles Programm. Nach dem obligatorischen Putzen und Satteln ging es wieder in die Halle. Auch diesmal drehten wir einige Runden im Schritt. Nach Einübung einer bestimmten Haltung im Sattel steigerten wir jedoch die Geschwindigkeit und schalteten einen Gang höher: Wir durften traben. Das ist die nächstschnellere Gangart. Das Pferd nimmt hierbei eine andere Schrittfolge ein, und es entstehen Schwebephasen, in denen kein Huf den Boden berührt. Für einen absoluten Neuling wie mich war der Trab wirklich ziemlich gewöhnungsbedürftig und in jeder Hinsicht anstrengend. Man muss sich ziemlich konzentrieren, um bei dem rhythmischen Geschaukel nicht herunterzufallen. Nach ein paar Runden fühlt man sich aber auch im Trab zunehmend sicherer und hat den Dreh fürs Erste zumindest so halbwegs raus.
Am Nachmittag erfolgte die Abreise, und ein kleines Andenken durften wir auch noch mit nach Hause nehmen: Nicht wenige Teilnehmer hatten an den nächsten beiden Tagen einen ordentlichen Muskelkater.
Uns hat das Wochenende sehr gut gefallen. Wir haben uns in dem kleinen Dorf wohlgefühlt, und der Unterricht war sehr professionell. Besten Dank an die Reber-Familie, die solche Wochenenden auch für Blinde und Sehbehinderte ohne Vorbehalte und Bedenken anbietet. Andere Höfe sind hier sicher nicht immer so flexibel und aufgeschlossen.
Ein besonderer Dank geht natürlich auch an unsere Reitlehrerin Käthe. Sie ist auch in Bezug auf die Sehbehinderungen hervorragend auf uns eingegangen und hat das maximal Mögliche aus den Unterrichtsstunden herausgeholt.