Newsletter des BBSB abonnieren!

Sie möchten tages­aktuell Bescheid wissen über die Ereignisse im Baye­rischen Blinden- und Seh­behin­derten­bund und über alles, was für Ihr Leben mit Handicap wichtig sein kann? — Möglich wird dies durch den kosten­losen E-Mail-Informations­dienst „bbsb-inform“.
Wer dabei sein möchte, sendet einfach eine leere E-Mail an  join-bbsb-inform@kbx.de.

Sie haben keine E-Mail-Adresse? Tele­fonisch erreichen Sie den Dienst rund um die Uhr unter (0 89) 5 59 88 - 2 88 in unserem  BIT-Teleservice.

 

Reiter­wochen­ende in Wurz

Ein Bericht von Christian Dellert

Wer gerne Reiten geht oder das schon immer mal ausprobieren wollte, war auf unserem Reiter­wochen­ende genau richtig. Leider war die Resonanz auf unsere Aus­schreibung zu dieser Aktivität ziemlich verhalten. Doch vier Mitglieder des Arbeits­kreises Jugend und Ausbildung, der die Freizeiten organisiert, hatten sich „todes­mutig“ ins Abenteuer gestürzt. Ende Mai sind Daniela, Judith, Johannes und ich kurzerhand privat mit Judiths Schwester Magdalena in die tiefste Oberpfalz getigert, genauer gesagt in die Nähe von Weiden nach Wurz. Dort befindet sich der Lipperthof der Familie Reber, die von den 150 Islandpferden und der Reitschule ganz schön „auf Trab“ gehalten wird.

Los ging es am Samstag morgen. Unsere Reit­lehrerin Käthe erkundigte sich nach den Seh­ein­schrän­kungen und Vor­erfah­rungen. Anders als die Damen konnten Johannes und ich noch überhaupt keine Kenntnisse vorweisen.

Jeder Reiter putzt sein Pferd. Anschlie­ßend führten wir auch schon gemein­sam mit Käthe die Schul­pferde zum Sattel­platz. Nun sollten wir die Tiere unter Anleitung putzen. Einmal gezeigt, ist das nicht sonderlich schwer. Weitaus komplexer ist da schon das Satteln und Anlegen des Zaumzeugs.
Ich fragte mich zum Beispiel, wie ich das Geschirr nur über die Ohren des Pferdes bringen soll. Schließlich wusste ich noch nicht, dass man die Ohren einfach so umbiegen und andrücken darf.

Jetzt waren unsere Schul­pferde eigentlich fertig zum Aufsteigen. Doch bevor wir uns in den Sattel schwingen durften, besuchten wir noch das wohl brävste Pferd der Welt, die Lotte. Johannes sitzt auf Lotte auf. Die besteht nämlich aus Holz und war daher genau das richtige, um das Aufsteigen ohne Stress und Gefahr zu üben.

Nach dem Mittag­essen sollten wir die Pferde zur Wieder­holung erneut putzen und satteln — diesmal so selbst­ständig wie möglich. Gar nicht so einfach, bei den vielen Riemen, Verschlüssen und Haken nichts durch­einander­zu­bringen. Nur gut, dass die Schulpferde wohl schon so einiges gewohnt waren …

Anschließend gingen wir in eine Halle, und es konnte losgehen: Nach­einander schwangen wir uns auf die Pferde. Die Zügel fest in der Hand, ritten wir hinter­einander im Kreis, wobei unsere Haltung von Käthe kritisch beäugt und korrigiert wurde.

Auch am Sonntag erwartete uns vormittags volles Programm. Nach dem obligato­rischen Putzen und Satteln ging es wieder in die Halle. Auch diesmal drehten wir einige Runden im Schritt. Nach Einübung einer bestimmten Haltung im Sattel steigerten wir jedoch die Geschwin­digkeit und schalteten einen Gang höher: Wir durften traben. Das ist die nächst­schnellere Gangart. Das Pferd nimmt hierbei eine andere Schritt­folge ein, und es entstehen Schwebe­phasen, in denen kein Huf den Boden berührt. Für einen absoluten Neuling wie mich war der Trab wirklich ziemlich gewöhnungs­bedürftig und in jeder Hinsicht anstrengend. Man muss sich ziemlich konzen­trieren, um bei dem rhyth­mischen Geschaukel nicht herunterzufallen. Nach ein paar Runden fühlt man sich aber auch im Trab zunehmend sicherer und hat den Dreh fürs Erste zumindest so halbwegs raus.

Am Nach­mittag erfolgte die Abreise, und ein kleines Andenken durften wir auch noch mit nach Hause nehmen: Nicht wenige Teil­nehmer hatten an den nächsten beiden Tagen einen ordent­lichen Muskelkater.

Unser Fazit:

Uns hat das Wochen­ende sehr gut gefallen. Wir haben uns in dem kleinen Dorf wohl­gefühlt, und der Unter­richt war sehr professionell. Besten Dank an die Reber-Familie, die solche Wochen­enden auch für Blinde und Sehbe­hinderte ohne Vorbe­halte und Bedenken anbietet. Andere Höfe sind hier sicher nicht immer so flexibel und aufge­schlossen.
Ein besonderer Dank geht natürlich auch an unsere Reit­lehrerin Käthe. Sie ist auch in Bezug auf die Seh­behin­derungen hervor­ragend auf uns eingegangen und hat das maximal Mögliche aus den Unter­richts­stunden heraus­geholt.