Unser Jugend-Rundschreiben mit allen wichtigen Terminen für das Jahr 2006 ist da! Zwischen 16 und
35 Jahre alte Vereinsmitglieder erhalten es automatisch per Post zugesandt. Außerdem wird es in unserer Mailingliste
und
hier auf dieser Seite veröffentlicht.
Das Rundschreiben informiert dich wieder über Veranstaltungen, die wir geplant haben.
Sie möchten tagesaktuell Bescheid wissen über die Ereignisse im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund
und über alles, was für Ihr Leben mit Handicap wichtig sein kann? — Möglich
wird dies durch den kostenlosen E-Mail-Informationsdienst „bbsb-inform“.
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Ein Bericht von Leonie Neubert
Gutgelaunt und mit viel Gepäck trafen wir uns am Freitag, den 1. September 2006 um 10:15 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof, um unsere weite Reise nach Berlin anzutreten.
Voller Freude stiegen wir in den ICE nach Berlin Hauptbahnhof ein, wo wir auf den Rest der Reisegruppe trafen, die nun aus fünf Blinden und Sehbehinderten und drei Begleitpersonen bestand. Nachdem die Koffer gut verstaut waren und alle ihren Sitzplatz gefunden hatten, fingen schon ein paar Hungrige das Essen an. Naja kein Wunder! Vor uns lag ja eine weite Reise von etwa viereinhalb Stunden. Wenn jetzt ein paar von euch denken „Mensch, die müssen sich ja gelangweilt haben“, dann liegt ihr falsch, denn nichts macht eine Zugfahrt interessanter als ein schön gepflegtes UNO-Spiel.
Nach einem kurzen Nickerchen hielten wir am Bahnhof „Jena Paradies“. Allerdings sah es dort gar nicht paradiesisch aus. Endlich trafen wir schließlich um zirka 15:40 Uhr im Berliner Hauptbahnhof ein, wo wir von einem kleinen Empfangskomitee freundlich begrüßt wurden.
Nun ging es mit dem Taxi zur Jugendherberge Amselhouse. Dort wurden wir auch von den Leitern der Berliner Gruppe begrüßt. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, ging es weiter zum Abendessen mit anschließendem gemütlichen Beisammensein. Zurück in der Jugendherberge fielen wir erschöpft in unsere Betten und schliefen bald ein.
Aber die Nacht dauerte nicht allzu lange. Am nächsten Morgen — es war ein Samstag — ging es nach einem stärkenden Frühstück auf zur geplanten Stadtrundfahrt, die nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Griechisch durchgeführt wurde. Wir fuhren also an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins vorbei und bekamen diese etwas erläutert. Zum Mittagessen gab es ein Taschengeld, und was liegt da näher, als es beim Burger King in Essbares umzutauschen. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen, wo wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Nach einem kurzen Film stellte sich unsere Führerin als Edda Schönherz vor, die selbst einmal in diesem Gefängnis unschuldig einsaß und uns deshalb als Zeitzeugin eindrucksvoll die damalige Zeit und das DDR-Regime näherbringen konnte. Vollgepackt mit zahlreichen Eindrücken ging es wieder einmal zum Essen.
Der dritte Tag fing mit einer Ausstellung im Deutschen Technik-Museum „Hören, Fühlen, Riechen“ speziell für blinde und sehbehinderte Menschen an. Was ich vielleicht noch sagen sollte ist, dass die deutsche und die griechische Gruppe meistens zusammen zu den verschiedenen Aktivitäten gefahren sind, dort aber wegen der verschiedenen Sprachen getrennt wurden. Nach dieser interessanten Ausstellung ging es nun zum Blindenschützenverein, wo wir praktisch einen fliegenden Wechsel mit den Griechen hatten (sie gingen nun zur Ausstellung) und wir nach einer kleinen Stärkung am Buffet in die Kunst des Blindschießens eingeführt wurden. Die Ergebnisse konnten sich wirklich bei allen sehen lassen.
Am Montag taten wir dann etwas für unsere deutsche Geschichte und besichtigten den Deutschen Bundestag mit einer gebäudekundigen Führerin. Zuerst nahmen wir im Plenarsaal auf den Besucherrängen Platz, wo wir einige allgemeine Informationen erhielten. Nach einem interessanten Rundgang durch das Gebäude fuhren wir zur Julius-August-Zeune-Blindenschule. Dort bekamen wir einen kleinen Einblick in den dortigen Schulalltag. Der Rest des Tages war zur freien Verfügung. Ein Teil von uns Bayern ging ein bisschen bummeln. Da machte ich eine Entdeckung, die den Rest der Woche stark beeinflusste. Was, wollt ihr jetzt sicher wissen. Ich entdeckte „Dunkin' Donuts“. Das ist eine Kette aus Amerika, die Donuts, Muffins und andere Süßwaren anbietet. Aber nicht einen oder zwei verschiedene Dinge, nein, man konnte zwischen zahlreichen verschieden Sorten Donuts und Muffins auswählen. Das war toll. An diesem Abend stand Pizza auf dem Speiseplan, und sie war scharf, schärfer, am schärfsten. Bevor wir an diesem Abend schlafen gingen, fanden wir noch eine kleine Kneipe gleich in der Nähe unserer Herberge, wo es eine leckere Berliner Weise, rot und grün, gab. Das war unser Schlummertrunk.
Mittlerweile war es Dienstag, und wie so oft mussten wir früh auf die noch nicht ausgeschlafenen Griechen warten, bis es dann endlich zum Pergamonmuseum gehen konnte. Dort gab es viel zu entdecken. Jeder bekam einen kleinen elektronischen Führer, um das Museum zu erkunden. Na ja, einfach nur hören ging natürlich auch! Man hat etwas gelernt und musste sich nicht bewegen. Am Nachmittag kamen unsere griechischen Freunde ganz auf ihre Kosten, weil wir zu Gast in der griechischen Botschaft waren. Dort erfuhren wir, wie der Alltag in einer Botschaft so abläuft, und die wichtigste Frage wurde auch geklärt: „Was ist eigentlich eine Botschaft?“ Nachdem wir die neuen Eindrücke verarbeitet hatten, war die restliche Zeit des Tages wieder zur freien Verfügung. Bayern und Berliner gemeinsam unterwegs — das war 'ne Gaudi. Als wir am Abend in unseren Betten lagen, wussten wir noch nicht, wie anstrengend der nächste Tag werden würde.
Es ging nämlich zur Internationalen Funkausstellung, kurz IFA genannt. Schwerpunkt bei der Ausstellung waren für uns drei ausgewählte Stände. Unter anderem der Stand von O2, wo uns Neuheiten vorgestellt wurden. Ein paar von uns sind dann noch mal auf eigene Faust durchgelaufen und haben sich noch andere Stände angesehen. An alles war bei dieser Ausstellung gedacht — nur an eines nicht: Sitzmöglichkeiten. Uns taten wirklich die Füße weh. Im Haus des Rundfunks des RBB gab es dann Sofas zum Sitzen, jedoch war das Haus so interessant, dass niemand zurückbleiben wollte. Wir erfuhren zum Beipspiel, wie Hörbücher aufgenommen werden, waren in einem Radiostudio zu Besuch, und sogar ein Fernsehstudio stand auf dem Programm. Allerdings wurde dort leider gerade nicht gedreht, als wir reinschauten, sonst hätte man bestimmt einige von uns im Fernsehen entdeckt. Der Abschluss des Tages bestand darin, dass wir einen feucht-fröhlichen Abend in einem griechischen Restaurant verbrachten, wo das Eis zwischen den Nationen langsam zu schmelzen begann. Noch einer Berliner Weiße und endlich schlafen.
Mensch, schon ist Donnerstag! Wie schnell die Zeit doch vergangen ist. Heute müssen wir Koffer packen. Ein tierischer Abschluss stand uns heute bevor. Warum, wollt ihr jetzt wissen? Tja, wir gingen in den Zoologischen Garten. Was uns dort erwartete, geht auf keine Elefantenhaut, und das mit dem Elefanten meine ich wörtlich. Es fing schon mal mit einer schlangeligen Überraschung an. Weiter ging es zu einem Tier, das einen langen Rüssel hat. Uns wurde geraten, die Rucksäcke und Blindenstöcke draußen zu lassen, da die Elefanten diese Dinge gerne klauen und auch zum Teil kaputt machen. Ich kann euch sagen, so ein Elefant ist ganz schön groß und neugierig. Als wir zu den Lamas kamen, zögerten einige von uns, weil es ist ja bekannt, dass Lamas gerne spucken. Aber diese hier waren nur hungrig. Zum Glück! So blieben wir alle trocken. Bei den Nashörnern roch es nicht gerade angenehm, und wenn man mal so ein Horn aus der Nähe gesehen hat, kann man ganz schön Angst bekommen. Aber Jumper war ein ganz ein lieber Verfressener. Er wollte seiner Nashornfreundin auch gar nichts übrig lassen. Typisch Mann! Bevor es zur großen Abschlussfeier der Nationen ging, machten wir vier Mädels noch einen kleinen Abstecher ins KaDeWe, damit man mal dort war. Noch schnell frischgemacht, und dann nichts wie raus nach Grunewald zum Vereinshaus. Der Abend gestaltete sich wie folgt: Es wurde gegessen, gesungen, Klavier gespielt, getanzt und gelacht, und man bekam doch ein bisschen Wehmut, dass alles schon wieder vorbei war. Es wurden Nummern und E-Mail-Adressen ausgetauscht, damit man in Kontakt bleiben kann. An diesem Abend schmolz das Eis zwischen den Griechen und uns fast vollständig. Ich würde sagen: besser spät als nie.
Freitag der 8. September 2006: Es geht wieder zurück nach Bayern. Nein halt, nicht nach
Bayern! Nach FRANKEN! Eine tolle, aber auch anstrengende Woche lag nun hinter uns, und soll
ich euch sagen, auf was wir uns am meisten gefreut haben? Na? Auf unser Bett. Rückwirkend
kann ich sagen, dass diese Freizeit echt schön war, die Leute haben gepasst, und man nimmt viele
Eindrücke mit nach Hause.